| Grundwissen zum Harmonium | Die Entwicklung der Harmoniuminstrumente |
Das französiche Harmonium1842 erwirkt Francois Debain ein Patent für ein genau definiertes Instrument mit dem Namen 'Harmonium'. Damit ist auch der Name in Frankreich geschützt, und andere Hersteller nennen ihre Harmoniums "Orgue Expressif", "Orgue Alexandre", "Orgue Mustel", "Orgue Mélodium" etc. Die Patentschrift entspricht genau dem 'klassischen französischen Vierspiel'. (Dieses Instrument wird weiter unten genauer beschrieben.)1853 gründet Victor Mustel seine eigene Firma. Er meldet die Erfindung der geteilten Expression zum Patent an. In den folgenden Jahren bildet sich bei Mustel durch weitere Erfindungen um 1890 der Instrumententyp 'Kunstharmonium' heraus. (Weiteres dazu in einem eigenem Kapitel.) Das deutsche DruckwindharmoniumDie Hersteller Philip Trayser und J. & P. Schiedmayer gründen um 1850 in Stuttgart Harmonium-Fabriken. Die Firmengründer haben ihr Handwerk jeweils in Frankreich gelernt und führen somit das französische Druckwindharmonium in Deutschland ein.(Literaturempfehlung: Das Harmonium in Deutschland, Hrsg. Christian Ahrens) Das amerikanische SaugwindharmoniumDie Frühgeschichte des Harmoniums in Amerika ist genau so abwechslungsreich und spannend wie die europäische Geschichte. Die Bedeutung des amerikanischen Beitrages liegt in der industriellen Fertigung von Harmoniums mit Saugwindsystem. Dies begann in den 1850er und 1860er Jahren durch die großen Firmen 'Estey' und 'Mason & Hamlin'. Bis zur Jahrhundertwende bildet sich bei diesen beiden Firmen eine Standard-Disposition und ein Standard für Umfang und Registerteilung heraus.(Literaturempfehlung: The American Reed Organ, Robert F. Gellermann) Das deutsche Saugwindharmonium und NormalharmoniumUm 1890 wurden in Deutschland viele amerikanische Saugwindharmoniums importiert, meistens zur Verwendung als Orgelersatzinstrument. Die deutschen Hersteller von Druckwindharmoniums bauten auch schon expressionslose Instrumente zur Verwendung als Orgelersatz, aber Saugwindinstrumente waren wohl preiswerter herstellbar, so daß auch sie sich mit den Möglichkeit der Herstellung von Saugwindinstrumenten vertraut machen mußten.Besonders die Firmengründer in Sachsen wie 'Mannborg', 'Lindholm' u.a. führten das neue Saugwindsystem ein. Die süddeutschen Harmoniumbauer nahmen nun auch die Produktion von Saugwindharmoniums in ihr Fertigungsprogramm auf. Unter dem Vorsitz von Theodor Mannborg beschloß 1903 der "Verein der Harmoniumfabrikanten" eine 'einheitliche Disposition', und jedes Mitglied sollte, wenn möglich, mindestens ein Instrument mit dieser Disposition anbieten. Dieses Instrument wurde 'Normalharmonium' genannt. Hatte das Instrument mehr Register, wurde es 'erweitertes Normalharmonium' genannt. In den 1920er Jahren versuchten einige Hersteller, neue Namen für größere Saugwind-Instrumente einzuführen wie: 'Resonanz-Kunstharmonium', 'Saugwind-Kunstharmonium'. In den 1930er Jahren bauten die meisten nur noch Instrumente für die Verwendung als Orgelersatz, die Firma Lindholm zum Beispiel ein zweimanualiges Instrument mit Pedal und steiler Disposition als Übeinstrument für orgelbewegte Organisten. (Literaturempfehlung: Das Harmonium in Deutschland, Hrsg. Christian Ahrens) Weitererführende Literatur
Christian AHRENS (Hrsg.) und Gregor KLINKE (Hrsg.): Robert F. GELLERMAN:
Robert F. GELLERMAN:
H. F. MILNE:
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| Autor: Ulrich Averesch |
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