Bei Harmoniums gibt es zwei unterschiedliche Windsysteme:
Balgsystem --> Windlade --> Zungen -->
Kanzellen (wenn vorhanden)
Kanzellen --> Zungen --> Windlade --> Balgsystem
Kanzellen --> Zungen --> Windlade --> Magazinbalg
--> Schöpfbalg Schon diese Unterschiede im Windsystem führen dazu,
daß sich Druckwind- und Saugwind-Harmonium klanglich
voneinander unterscheiden: Das Saugwind-Harmonium klingt eher dunkler
und weicher, zum Teil orgelartig, während das Druckwind-Harmonium eher
heller und schärfer klingt.
Für die klanglichen Unterschiede zwischen diesen beiden Harmoniumtypen
sind daneben aber auch andere Faktoren, wie zum Beispiel unterschiedliche Zungenmensuren
mit verantwortlich.
Besitzt Ihr Harmonium einen Registerzug namens "Expression", so handelt es sich mit allergrößter Wahrscheinlichkeit um ein Druckwind-Harmonium, hat es diesen Zug nicht, so handelt es sich mit allergrößter Wahrscheinlichkeit um ein Saugwind-Harmonium.
(Der Hintergrund: Es wurde zwar eine Expressionsvorrichtung für Saugwind-Harmoniums entwickelt, aber nur sehr vereinzelt gebaut).
Der Registerzug "Expression" schaltet den Magazinbalg aus, damit der Wind direkt von den Schöpfbälgen in die Windlade geleitet wird, so daß man durch unterschiedlich starkes Pumpen mit den Schöpfbälgen nicht nur laut und leise spielen, sondern auch stufenlos crescendieren und de-crescendieren kann ("Expressionsspiel").
Ein weiteres Indiz für die Unterscheidung Saugwind-/Druckwind-Harmonium ist der erste bzw. letzte Ton der Klaviatur: handelt es sich bei dem ersten bzw. letzten Ton um ein F bzw. f3, dann ist dies ein Indiz für ein Saugwind-Harmonium; beginnt die Klaviatur bei C oder hat sie gar den Umfang C-c4, wird es sich um ein Druckwind-Harmonium handeln.
Außerdem haben Saug- und Druckwindharmoniums unterschiedliche Klaviaturteilungen,
was bedeutet, daß es für jede Hälfte der Klaviatur separate
Register gibt und damit auf jeder Hälfte der Klaviatur unterschiedliche
Registrierungen eingestellt werden können.
Druck- und Saugwindharmoniums haben dabei die folgenden Klaviaturteilungen:
Mit Ausnahme kleiner Instrumente gibt es bei fast allen Harmoniums diese Klaviaturteilungen.
Damit stellen sich die Verhältnisse bei den verschiedenen Harmoniumtypen folgendermaßen dar, Sonderbauformen mit speziellen Klaviaturumfängen ausgenommen:
| Harmoniumtyp | Klaviaturteilung | Klaviatur (bei 5 Oktaven Umfang) |
Umfang Baßregister |
Umfang Diskantregister |
Registerzug "Expression" |
Wind- System |
| Saugwindharmonium | zwischen h und c1 | von F bis f4 | F bis h * | c1 bis f4 | nein | Unterdruck |
| Druckwindharmonium | zwischen e1 und f1 | von C bis c4 | C bis e1 | f1 bis c4 | ja | Überdruck |
* = Bei Saugwind-Harmoniums reicht das Register "Subbass" oder "Sub Bass" in der Regel nicht über den vollen Bass-Umfang, sondern hat im Gegensatz zu den übrigen Bassregistern nur einen Umfang von 1 Oktave von C bis c0.
Vorgehen bei der Feststellung der Klaviatur-Teilung:
Bei der geteilten Klaviatur, die bei Harmoniums der Regelfall ist, wirken (mit Ausnahme einzelner spezieller Instrumente) die auf der rechten Seite befindlichen Register nur auf die rechte Hälfte der Klaviatur, die der linken Seite befindlichen nur auf die linke Seite der Klaviatur.
Expressionsregister und Vox-Humana-Register (=Tremolo) sowie ggf. Grand Jeu-Register befinden sich normalerweise in der Mitte.
Ziehen Sie nur Register von einer Seite und spielen Sie alle Töne der Klaviatur von unten nach oben oder umgekehrt durch ab einer bestimmten Taste wird nichts mehr zu hören sein dabei darf natürlich das Windschöpfen mit den Fußtritten nicht vergessen werden!
Zwischen den Tasten, an denen die Töne zu klingen beginnen bzw. aufhören, liegt dann die Teilung der Klaviatur. Die obige Tabelle hilft anschließend weiter, den Harmoniumtyp (Druck- oder Saugwind) zu bestimmen.
Sehen Sie außerdem nach den Registernamen (siehe unten Abschnitt 3: "Registernamen / Disposition").
Weitere Indizien für den Harmoniumtyp sind die Namen der Register und ihre Zusammenstellung am Instrument (Disposition).
Hier könnte Ihnen sicherlich ein Blick auf unsere Seiten "Grundwissen
zum Harmonium" helfen. Dort gibt es einzelne Kapitel
zu den jeweiligen Harmoniumtypen.
Bedingt durch die unterschiedlichen Klaviaturumfänge- und Teilungen sind
für das Druckwind-Harmonium komponierte Musikstücke nur bedingt und
manchmal gar nicht auf dem Saugwind-Harmonium darstellbar. Dasselbe gilt auch
umgekehrt. Auch der Klang beider Instrumententypen (siehe oben)
kann dabei eine Rolle spielen.
Man wird hier jedoch anhand des vorhandenen Harmoniums und der zu spielenden
Stücke individuell entscheiden müssen, ob das betreffende Stück
unter Zuhilfenahme von Umlegungen und/oder der Wahl anderer Register auf dem
anderen Harmoniumtyp spielbar ist.
Version 1.2.1
Erstellt von Stefan
Gruschka.
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