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2. Treffen der Harmoniumfreunde in Borna:
Gründung des "Arbeitskreises Harmonium"
in der Gesellschaft der Orgelfreunde
Langfassung eines Berichtes aus Das
Musikinstrument,
Jahrgang 48 (1998), Heft 12, S. 26/27. Frankfurt am Main: Bochinsky,
1998.
Mit einem Zusammenschluß von Interessierten und Fachleuten
zum Arbeitskreis Harmonium innerhalb der Gesellschaft der Orgelfreunde
sollen das Harmonium und seine Musik aus dem Dasein als oft belächelte
Kuriosität befreit werden.
Der Arbeitskreis wurde auf dem 2. Treffen der Harmoniumfreunde in Borna
im Mai 1998 gegründet und will als Sektion der Gesellschaft der Orgelfreunde
auch Organisten, Orgelbauer, Orgelsachverständige und an der Orgel
interessierte ansprechen, nicht zuletzt deswegen, da das Harmonium häufig
oder meistens von Organisten gespielt wird.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Vielfach werden das Harmonium und seine Musik als Kuriosität von eher
zweifelhaftem Wert belächelt, was sich nicht zuletzt in einigen abfälligen
und ausnahmslos auf den liturgischen oder religiösen Einsatzbereich
zielende Beinamen wie beispielsweise "Psalmenquetsche", "Choralpumpe" oder
"Hallelujavergaser" äußert. Nicht selten gilt das Harmonium als
minderwertiges, für ein künstlerisch anspruchsvolles Musizieren
völlig ungeeignetes Orgelsurrogat. Neuere Forschungen entlarven jedoch
die Perspektive solcher Vorurteile als Verkennung der tatsächlichen
Möglichkeiten des Harmoniums. Klarheit in das Dickicht der Vorurteile
zu bringen, ist jedoch nur eines der Ziele des im Mai auf dem 2. Treffen
der Harmoniumfreunde in Borna gegründeten Arbeitskreises in der Gesellschaft
der Orgelfreude (GdO).
Nachdem beim ersten Treffen der Harmoniumfreunde in
Borna(1) bei Leipzig im Jahre 1996 erste Überlegungen
getroffen wurden, sich der Gesellschaft der Orgelfreunde als Arbeitskreis
anzugliedern, wurde nun beim 2. Treffen der Harmoniumfreunde im Mai 1998
beschlossen, diese Idee in die Tat umzusetzen. Das erste Treffen vor 2 Jahren
brachte erstmals Harmoniumfachleute und -Interessierte aus Deutschland und
den angrenzenden Ländern zusammen, und neben dem fachlichen Austausch
wurde im Bestreben, das Harmonium der Vergessenheit zu entreißen,
seinen Fortbestand zu sichern sowie die Kommunikation und die Kontakte zwischen
Harmonium-Interessierten zu intensivieren, nach Wegen gesucht, sich zu organisieren. Die
Idee, möglichst viele Harmoniuminteressierte zusammenzubringen, wurde
bei Joachim Weischet, Inhaber der Firma Lindholm, dem Musikwissenschaftler
Prof. Dr. Christian Ahrens und dem Harmoniumsammler und -restaurateur Ulrich
Averesch im Zuge eines Buchprojektes zum Thema "Das Harmonium in Deutschland"(2)
geboren und fand ihre erste Umsetzung im ersten Treffen der Harmoniumfreunde
in Borna.
Beim 1. Treffen wurden bereits Überlegungen gefaßt, sich vielleicht
als Arbeitskreis der GdO anzugliedern. Zu Beginn des 2. Treffen der Harmoniumfreunde
vom 8. bis 10. Mai 1998 lag nun auch das konkrete Angebot der GdO zur Angliederung
eines "Arbeitskreis Harmonium" vor.
Die Initiative zur Selbstorganisation war in einen Rahmen eingebettet, in
dem nicht nur der fachliche Austausch im Vordergrund stand. Insgesamt etwa
50 Harmoniuminteressierte und -fachleute aus Deutschland, den Niederlanden,
Belgien, Österreich, der Schweiz, Kroatien und sogar den USA nahmen
an dem Treffen teil. Dieses fand, wie bereits zwei Jahre zuvor, wieder in
den Räumen der Firma Lindholm statt.
Das 2. Treffen der Harmoniumfreunde wurde auch in den Medien aufmerksam
verfolgt: Der Mitteldeutsche Rundfunk schickte ein Kamerateam und einen
Radioreporter. Resultate waren ein Kurzbericht in der Fernsehsendung "Sachsenspiegel"
und ein Feature im Radio. Außerdem berichtete der Bornaer Stadtanzeiger
in der Ausgabe vom 11. Mai 1998 über das Treffen.
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Begrüßung durch den Gastgeber
Gastgeber des 2. Treffens der Harmoniumfreunde war, wie bereits beim ersten
Treffen, Joachim Weischet, Inhaber der Firma Lindholm, die noch bis 1990
Harmoniums produzierte, heute Cembali und Spinette herstellt und Harmoniums
restauriert. Sein Großvater Gustav Weischet übernahm 1911 die
Harmoniumbaufirma Lindholm und erwarb 1930 die Harmoniumfirma M. Hofberg.
Joachim Weischet trat Mitte der 1950er Jahre in die Geschäftsführung
der Firma Lindholm ein. 1961 wurde auch die bekannte Harmoniumfirma Mannborg
von Joachim Weischet aufgekauft, die Harmoniums aus diesem Betrieb wurden
jedoch bis zum Ende der 1960er Jahre weiter unter dem Namen Mannborg vertrieben.
Damit lagen drei große und bekannte Harmoniumbaufirmen in der Hand
einer Geschäftsleitung. Joachim Weischets Betrieb wurde 1973 zwangsverstaatlicht
und führte bis zur Rückübernahme durch Joachim Weischet den
Namen "VEB Cembalobau Borna". Heute trägt die Firma wieder den Namen
"O. Lindholm". Bis zur Einstellung der Harmoniumfertigung im Jahre 1990
wurden etwa 65 000 Harmoniums produziert. Heute ist die Firma Lindholm auf
die Fertigung historischer Tasteninstrumente, insbesondere von Cembali,
Spinetten und Clavichorden, sowie auf die Restaurierung von Harmoniums spezialisiert.
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Aspekte und Aktuelles zum Harmonium heute
Nach der Begrüßung durch den Inhaber und Gastgeber Joachim Weischet
sowie der Verlesung weiterer Grußworte referierte Ulrich Averesch,
der auch an der Organisation dieses Treffens maßgeblich beteiligt
war, über die verschiedenen Harmoniumtypen und stellte zusammen mit
Johannes Michel die verschiedenen Klangfarben spieltechnischen Möglichkeiten
an einem "Lindholm Imperial" Kunstharmonium
vor. Das hier vorhandene Instrument hatte eine besondere Geschichte, da
es Olof Lindholms persönliches Exemplar war. Da sich eben dieses Instrument
eine geraume Zeit lang nicht im Besitz des Hauses Lindholm befand, schätzte
sich Joachim Weischet umso glücklicher, das Instrument zum 2. Treffen
der Harmoniumfreunde wieder in seinem Hause haben zu können. Von der
"Imperial"-Serie als aufwendig ausgestattetes Konzertharmonium, als sog.
"Kunstharmonium", wurden im Vergleich zu den gängigen Harmoniumtypen
nur wenige Exemplare gebaut.
Die Erklärung und Vorführung des Instrumentes durch Ulrich Averesch
und Johannes Michel war so gestaltet, daß sie auch für wenig
oder gar nicht mit dem Harmonium vertraute Teilnehmer verständlich
war.
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"Crescendo und Decrescendo zum Verwehen":
Von Harmoniumregistern in Orgeln
Im nächsten Vortrag berichtete Prof. Dr. Christian
Ahrens über seine Forschungen zu Harmoniumregistern in Orgeln(3).
Somit befaßte sich der Vortrag in erster Linie mit der Verbindung
zwischen Orgel- und Harmoniumbau. Dabei wurde insbesondere deutlich, daß
Harmoniumregister in Orgeln des 19. Jahrhunderts nichts ungewöhnliches
waren und in erster Linie aus spezifisch musikalischen Erwägungen nicht
nur in kleine Orgeln eingebaut wurden. Wider Erwarten habe sich auch keine
Kostenersparnis durch Verwendung von quasi standardisierten Teilen aus dem
Harmoniumbau ergeben, da die Herstellung, Pflege und Intonation der Harmoniumregister
im speziellen wie auch die der durchschlagenden Zungen im Allgemeinen im
Vergleich zu denen der übrigen Register weitaus aufwendiger und teurer
gewesen seien und heute auch noch sind. Der Aufwand für die Harmoniumregister
sei jedoch nicht gescheut worden, da man versuchte, dem Orgelklang eine
ähnliche dynamische Expressivität wie dem des Orchesters zu geben,
und dazu waren eben die Harmoniumregister in Verbindung mit einer Schwellvorrichtung
besonders geeignet und wurden dementsprechend häufig in Orgeln eingebaut.
Außerdem habe der "schnarrende" Klang der aufschlagenden Zungenregister
häufig nicht mehr gefallen, so daß anstelle der aufschlagenden
vermehrt durchschlagende und Harmoniumregister gebaut worden seien. Zudem
diskutierte Prof. Ahrens die Probleme der Verstimmung von Orgeln mit Harmoniumregistern
und die Bauweisen der einzelnen Schwellvorrichtungen anhand von Beispielen
verschiedener, heute noch vorhandener Orgeln(4).
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"The American Reed-Organ"
Als besonderer Gast referierte Robert F. Gellerman über die Geschichte
des Harmoniumbaus in Amerika und die Einflüsse und Verbindungen nach
Europa. Robert F. Gellerman ist Historiker und Archivar der (amerikanischen)
"Reed Organ Society"
und gilt als international rennommierter Harmoniumforscher. Zu
den Standardwerken der Harmoniumfachliteratur zählen seine Bücher
"The American Reed-Organ" und "Gellerman's International Reed Organ Atlas"(5).
Gellerman begann seinen Vortrag bei dem vermutlich ersten, in Amerika
gefertigten Harmonium, das von dem Orgelbauer Ebenizer Goodrich wahrscheinlich
etwa um 1809 hergestellt wurde. Von diesem historischen Zeitpunkt aus
bildeten wichtige Persönlichkeiten auf dem Gebiet des amerikanischen
Harmoniumbaus die Aufhängungspunkte für einen "roten Faden"
der amerikanischen Harmoniumgeschichte. Dabei lies Gellerman auch europäische
Einflüsse nicht außer acht. Hier war es dann auch sehr verblüffend,
zu hören, daß James Bazin, der verschiedene Zungeninstrumente,
darunter eine Mundharmonika, entwickelt hatte, dieses Instrument erst
dann, und auch noch zu dreifachem Preis, verkaufen konnte, als die Erfindung
der Mundharmonika aus Deutschland bekannt wurde. An diesem Beispiel machte
Gellerman deutlich, daß nicht nur die Qualität von Musikinstrumenten
an dem gemessen wurde, was in dieser Hinsicht aus Europa kam. Außerdem
wurde deutlich, daß sich viele Erfindungen und Ideen zu Musikinstrumenten,
nicht nur auf dem Gebiet des Harmoniumbaues, nicht zuletzt durch Kopieren
verbreiteten. Wer in diesem Konkurrenzkampf es nicht schaffte, seine Ideen
und Erfindungen rechtzeitig patentieren oder schützen zu lassen,
ging oft leer aus, wie das von Gellerman gebrachte Beispiel des Harmoniumbauers
James Cahart, der als Erfinder der Saugwindbälge gilt, zeigte.
Auch in Amerika begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts bei den Harmoniums
die Wende vom Druckwind- zum Saugwindsystem. Im gleichen Zuge, parallel
zur weiteren logistischen Erschließung des Landes, sei die Industrialisierung
auch im Harmoniumbau immer weiter fortgeschritten, und in damit bestand
nun auch die Möglichkeit, Harmoniums nach Katalog über den Weg
des Versandhandels zu bestellen. In den 1890er Jahren habe das Harmoniumgeschäft
in Amerika dann seinen Höhepunkt erreicht und sei dann unter der
zunehmenden Konkurrenz von Selbstspielklavier, Schallplatte und dann auch
dem Radio sowie der elektronischen Orgel immer weiter zurückgegangen,
bis in den späten 50er Jahren die Produktion endgültig versiegte.
So sei das Harmonium in Amerika "von seinen Anfängen als importierte
Kuriosität zu einer Hauptindustrie und dann zur Geschichte geworden".
Im Anschluß an seinen Vortrag verlieh Robert F. Gellerman Joachim
Weischet die Ehrentafel der Reed Organ Society für seine Verdienste
und sein Lebenswerk um das Harmonium.
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"Eine Sonnensekunde", der "fliegende Holländer" und
Jagdszenen:
Sigfrid Karg-Elert und Richard Wagner auf dem Harmonium
Am Abend erklang, unter Anwesenheit weiterer Gäste aus Borna, Harmoniummusik
von Sigfrid Karg-Elert, interpretiert von Johannes Michel (Eberbach) auf
dem Lindholm Imperial Kunstharmonium.
Das sogenannte "Kunstharmonium" ist ein Konzertinstrument und zeichnet sich
neben seiner besonderen Ausstattung mit vielen Registern und besonderen
Spielhilfen durch seine zwischen Baß und Diskant unabhängig voneinander
regelbare Windversorgung aus. Für die in diesem Konzert gespielten
Stücke sind die Möglichkeiten des Kunstharmoniums von Karg-Elert
in den Registrierangaben notiert und damit eine geradezu zwingende Notwendigkeit.
Dementsprechend wurden sie auch vom Interpreten in virtuoser Weise eingesetzt.
Es erklangen die Sonatine Nr.1 G-Dur Op. 14, "Fünf Miniaturen" Op.9,
"Eine Sonnensekunde" und "Seidenschuhe mit Solen von Gold" aus den "Impressionen"
Op. 102. Besondere Highlights oder vielmehr "High-Sounds" des Konzertes
waren die Bearbeitungen Karg-Elerts von Richard Wagners Vorspiel aus "Tristan
und Isolde", der Ballade Sentas aus dem "fliegenden Holländer" sowie
die "Jagdnovellette", die Olof Lindholm gewidmet ist. Olof Lindholm war
ein passionierter Jäger und mit Karg-Elert befreundet, was sicherlich
den Anlaß für diese Komposition gab, die speziell auf die Möglichkeiten
des Lindholm Imperial Kunstharmonium zugeschrieben ist. Die Harmoniumstücke
Karg-Elerts demonstrierten, nicht zuletzt auch durch den Interpreten, sehr
eindrucksvoll die klanglichen Möglichkeiten des Harmoniums, und sinnigerweise
erklangen sie auf eben dem Instrument, daß Olof Lindholm selbst besessen
hat.
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Die Anfänge des Harmoniumbaus in Borna
Annemarie Engelmann vom Stadtarchiv Borna behandelte in ihrem Vortrag die
Entstehung des Harmoniumbaus in Borna und stellte dabei auch Querverbindungen
zum lokalen Orgelbau und anderen Industrie und Handwerkszweigen her. Die
besondere Infrastruktur in Borna habe die Ansiedlung von Handwerksbetrieben,
darunter auch verschiedene Musikinstrumentenbauer, begünstigt. Wahrscheinlich
sei für diese Branche nicht nur das hohe Holzaufkommen guter Qualität
in der Umgebung, sondern auch die Anwesenheit potentieller Zulieferbetriebe
wie Dampfschneidemühlen sowie die Anwesenheit guter Handwerker verantwortlich.
Eine besondere Rolle habe hier sicherlich die Orgelbauerfamilie Kreutzbach
gespielt, der viele Handwerker, darunter auch der spätere Harmoniumfabrikant
Mannborg, durch die Errichtung seines Betriebes angezogen habe. Urban Kreutzbach
sei widerum als Angestellter des Pegauer Orgelbauers Hecker nach Borna gekommen.
Viele der in Bornaer Betrieben arbeitenden Handwerker gründeten später
ihre eigenen Betriebe.
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Bau und Behandlung des Saugwindharmoniums
Joachim Weischet wandte sich der technischen Seite des Harmoniums zu und
behandelte die Mensuren und das Stimmen der Harmoniumzungen und die konstruktiven
Unterschiede zwischen Druckwind- und Saugwindzungen. Auch die Frage der
Stimmtonhöhe, die heutzutage im Zusammenspiel des Harmoniums mit anderen
Instrumenten wichtig ist, fand Beachtung, zumal Harmoniums heute nur noch
als "historische" Instrumente zu haben sind. Allgemein stellte Weischet
fest, daß sich der Harmoniumbau nur zögernd an die auf verschiedenen
Konferenzen beschlossenen Stimmtonhöhen anpaßte, zumal nach Harmoniums
mit normgerechter Stimmtonhöhe lange Zeit nicht verlangt worden sei.
Weischet gestand ein, daß Harmoniums auf die Stimmtonhöhe der
heutigen Orchestermusik oft kaum umzustimmen seien, so daß manchmal
keine andere Möglichkeit als das Auswechseln der Zungen bleibe. Im
nächsten Teil seines Vortrags gab er praktische Tips zu Fehlersuche,
Wartung und Reparatur des Saugwindharmoniums bei Dysfunktionalitäten
wie Heulern, Pfeifern und Windverlust sowie bei Fehlfunktionen der Spielhilfen.
Im Anschluß an den Vortrag konnten die Instrumente der Harmoniumsammlung
Weischet in Augen- und Ohrenschein genommen werden. Hier waren nicht nur
komplette Instrumente, sondern auch einzelne Teile wie Stimmstöcke
und Zungen sowie Spezialwerkzeuge und das Zungenlager zu sehen.
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Ausklang mit Präludium, Doppelfuge "B.A.C.H." und
Toccata
oder:
'Guilmant meets Karg-Elert'
Als musikalischen Ausklang der Tagung spielte Mark Richli (Zürich)
Prelude, Adagio et Fugue Op. 55 von Alexandre Guilmant und Karg-Elerts "Zweite
Sonate" in B-moll Op. 46. Dieses Werk enthält auch die "Enharmonische
Fantasie und Doppelfuge (B.A.C.H)" und zählt zu den schwierigsten Werken
der Harmoniumliteratur. Auch die Stücke dieses Programms, insbesondere
die Karg-Elerts sind auf die speziellen Möglichkeiten des Kunstharmoniums
hin komponiert und wurden dementsprechend von Mark Richli auf dem Lindholm Imperial
interpretiert. Auch Mark Richli lieferte dabei eine eindrucksvolle und virtuose
Demonstration der spieltechnischen und klanglichen Möglichkeiten des
Instruments, die der von Johannes Michel in nichts nachstand.
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Gründung des Arbeitskreises Harmonium einstimmig
beschlossen
Zum Ende der Tagung wurde diskutiert, wie die Aktivitäten zum Harmonium
am besten weiter zu führen, zu erweitern und zu institutionalisieren
sind. Nach Erwägung verschiedener Argumente wurde in einer Abstimmung
mit einstimmiger Mehrheit beschlossen, das inzwischen vorliegende Angebot
der Gesellschaft der Orgelfreunde (GdO), sich ihr als Arbeitskreis anzugliedern,
anzunehmen. Die Diskussion zeigte, daß diese Alternative dem neuen
Arbeitskreis ein breites Forum schaffen und potentielle Interessenten, insbesondere
Organisten, Orgelbauer und andere Orgelfachleute ansprechen könnte.
Dies würde eine leicht mögliche Zusammenarbeit zwischen den Interessierten
der verschiedenen Fachgebiete ermöglichen, die, wie die Inhalte von
einigen der genannten Vorträge zeigen, nicht nur sinnvoll, sondern
in verschiedenen Fällen sogar notwendig ist. Denn eine nicht unerhebliche
Anzahl zwischen etwa 1850 und 1960 entstandener Kompositionen einschließlich
vereinzelter, in der heutigen Zeit komponierter Werke bezieht den Klang
des Harmoniums ein. Nicht selten wird hier das Harmonium von Organisten
oder Pianisten gespielt, die oft in Ermangelung entsprechender Informationen
mit dem Instrument und seinen Eigenschaften nicht besonders vertraut sind.
Eine (historisch) korrekte, den Vorstellungen der Komponisten entsprechende
Wiedergabe erfordert jedoch immer auch einen sachkundigen Einsatz des Instruments,
so daß hier ein Informationsbedarf gegeben ist. Aus der Existenz von
Kombinationsinstrumenten wie dem Harmoniumklavier, seinem französischen
Pendant, dem Harmonicorde, und Orgeln mit Harmoniumregistern ergibt sich
zudem ein weiteres Argument für einen fachübergreifenden Austausch.
Die Zusammenarbeit soll nicht auf den deutschen Sprachraum beschränkt
bleiben, angestrebt wird vielmehr auch ein Austasch mit ausländischen
Organisationen, insbesondere der HVN
(Harmonium Vereniging Nederland) und der (amerikanischen) Reed
Organ Society.
Weiterhin soll die Öffentlichkeit für das Instrument Harmonium
sensibilisiert werden. Hierzu gehört auch die Verbreitung von Informationen
über das Instrument sowie die Entkräftung von Vorurteilen. Ein
weiteres wesentliches Anliegen wäre die Sicherung des Fortbestandes
des inzwischen nicht mehr produzierten Instrumentes Harmonium, insbesondere
die Rettung bedrohter Instrumente. Außerdem soll der Austausch von
nichtkommerziellen harmoniumbezogenen Dienstleistungen gefördert
werden, etwa durch Tauschbörsen für Noten, Fachliteratur, Harmoniumteile
und komplette Instrumente.
Inzwischen sind die Vorarbeiten zur ersten Publikation des Arbeitskreises
im Gange: Sämtliche, auf dem diesem Treffen in Borna gehaltenen Vorträge
sollen zusammen mit einer auch für Harmoniumneulinge verständlichen
Einführung zu den unterschiedlichen Instrumententypen veröffentlicht
werden. Eine der inzwischen erarbeiteten Homepages mit Informationen über
den Arbeitskreis, über die verschiedenen Harmoniumtypen sowie über
das 2. Treffen der Harmoniumfreunde lesen Sie gerade hier.
Weiterhin ist geplant, in regelmäßigen Abständen Tagungen
abzuhalten und auch, wie der Arbeitskreis
Hausorgel, auf den großen Tagungen der GdO
mit einem eigenen Programm präsent zu sein, das für alle Interessierten
offen sein soll. Außerdem ist daran gedacht, Tagungen auch zusammen
mit anderen Organisationen, wie zum Beispiel der HVN
(Harmonium Vereniging Nederland), durchzuführen.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen,
dem 1998 neu gegründeten Arbeitskreis beizutreten. Für Informationen
und Fragen stehen die folgenden Ansprechpartner
zur Verfügung:
a) Wolfgang Plodek (kommissarischer
Arbeitskreis-Leiter seit Anfang 2008)
e-Mail: fof-org@t-online.de
b) Prof. Dr. Christian Ahrens
e-Mail: Christian.Ahrens@ruhr-uni-bochum.de
c) Ulrich Averesch
e-Mail: harmonium@t-online.de
d) Stefan Gruschka
e-Mail: Stefan.Gruschka@gmx.de
e) Sven Dierke
e-Mail: svendierke@aol.com
Außerdem sind weitere Informationen über die Hauptseite
der Gesellschaft der Orgelfreunde (Adresse: http://www.gdo.de/)
beziehungsweise über weitere Seiten des Arbeitskreises
Harmonium zugänglich.
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Anmerkungen und Literaturverzeichnis
[1] Bericht zum "1. Treffen der Harmoniumfreunde"
in Borna 1996 siehe: Stefan GRUSCHKA: "Das Harmonium der Vergessenheit
entreißen" - Treffen der Harmoniumfreunde in Borna am 18. und 19.
Mai 1996.
In: Das Musikinstrument
45 (1996), H. 10, S. 60 - 62. Frankfurt am Main: Bochinsky, 1996.
Zurück zum Text
[2] Christian
AHRENS (Hrsg.): Das Harmonium in Deutschland. Bau, wirtschaftliche
Bedeutung und musikalische Nutzung eines "historischen" Musikinstrumentes.
(Fachbuchreihe das Musikinstrument; Bd. 60).
Frankfurt am Main: Bochinsky, 1996.
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[3] vgl. auch: Christian
AHRENS: "...mit Crescendo und Decrescendo zum Verwehen..." - Physharmonika-Register
in Orgeln des 19. und 20. Jahrhunderts.
In: Ars Organi
46 (1998), H. 3, S. 143 - 148.
Zurück zum Text
[4] Zu Harmoniumregistern in Orgeln vgl. hier
auch: Christian AHRENS:
Die von Weigle und J. & P. Schiedmayer erbaute Parabrahmorgel (1908)
in Eichwalde.
In: Ars Organi
45 (1997), Heft 4 [Dezember 1997], S. 195 bis 203.
[Mitarbeit: Sven DIERKE, Stefan
GRUSCHKA, Gregor
KLINKE].
[Bei der sogenannten Parabrahmorgel handelt es sich um ein Kombinationsinstrument
aus großem Harmonium und Orgel. Der Harmoniumteil ist dabei im Spieltisch
eingebaut.]
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[5] Robert F. GELLERMAN ist Autor der folgenden
Bücher, die zu den Standardwerken der Harmoniumfachliteratur zählen:
1) Robert F. GELLERMAN: The American Reed Organ and the Harmonium:
A Treatise on its History, Restoration and Tuning, with descriptions of
some outstanding Collections, including a Stop dictionary and a directory
of Reed Organs.
Vestal NY: The Vestal Press, 1996; 2. Aufl. 1997.
2) Robert F. GELLERMAN: Gellerman's international Reed Organ
Atlas.
Vestal NY: The Vestal Press, 1985; 2. Aufl. 1998.
[Dieses Buch ist ein Nachschlagewerk zu Harmoniumherstellern und deren
Harmoniummodellen.]
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Autor: Stefan
Gruschka
E-Mail: Stefan.Gruschka@gmx.de
© Stefan Gruschka, 1998
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